Wir leben in einer Welt, die laut ist.
Termine, Nachrichten, Benachrichtigungen – überall Impulse.
Der Kopf denkt, plant, bewertet, organisiert. Und der Körper? Er funktioniert einfach mit.
Bis er irgendwann nicht mehr leise bleibt.
Dann schickt er uns Signale: Müdigkeit, Spannung, Druck, Unruhe.
Doch statt hinzuhören, reagieren wir oft mit: „Jetzt nicht. Später.“
Einfühlung in den Körper bedeutet, wieder in diese leise Sprache hinein zu lauschen.
Nicht als Kontrolle – sondern als Gespräch.
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Vom Kopf zurück in den Körper
Viele von uns verbringen ihre Tage im Kopf.
Wir denken, statt zu fühlen. Planen, statt wahrzunehmen.
Wir nehmen den Körper meist erst dann wahr, wenn er „stört“.
Doch dein Körper ist kein Werkzeug. Er ist dein Zuhause.
Er sendet dir ununterbrochen kleine Nachrichten:
„Ich brauche eine Pause.“
„Das hat mir gutgetan.“
„Hier stimmt gerade etwas nicht.“
Achtsamkeit für den Körper bedeutet, diese Nachrichten wieder zu hören – bevor sie laut werden müssen.
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Der Unterschied zwischen Kontrolle und Einfühlung
In vielen Selfcare- oder Fitness-Trends geht es darum, den Körper zu formen, zu optimieren, zu disziplinieren.
Slow Selfcare geht einen anderen Weg: Vertrauen statt Kontrolle.
Einfühlung ist kein Training, sondern ein Wahrnehmen.
Sie fragt nicht: „Wie sehe ich aus?“, sondern: „Wie geht’s mir gerade?“
Kontrolle sagt: „Ich muss das schaffen.“
Einfühlung fragt: „Was brauche ich jetzt?“
Dieses Zuhören ist keine Schwäche. Es ist eine Rückkehr zur Selbstführung.
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Mini-Übung: Der Körper-Scan (light)
1. Nimm dir zwei Minuten.
Setz dich bequem hin oder bleib stehen.
2. Schließe kurz die Augen.
Spür den Kontakt deiner Füße zum Boden.
3. Geh mit der Aufmerksamkeit langsam nach oben:
Beine – Bauch – Schultern – Gesicht.
Wo ist Spannung? Wo ist Weite?
4. Bewerte nichts.
Du musst nichts ändern. Nur fühlen, was da ist.
Diese Übung ist wie ein innerer „Handshake“ – ein kurzes: Hallo, ich bin da.
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Die leisen Signale des Körpers
Körperbewusstsein beginnt im Kleinen:
• das Bedürfnis, dich zu strecken;
• die Lust, kurz durchzuatmen;
• das Signal, dass du Hunger hast – oder keinen;
• der Moment, in dem du gähnst und eigentlich schlafen solltest.
Diese Zeichen sind Wegweiser, keine Störungen.
Je öfter du sie beachtest, desto feiner wird deine Wahrnehmung.
💡 Und irgendwann merkst du: Dein Körper ruft dich nicht mehr laut – er flüstert, und du hörst trotzdem zu.
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Einfühlung im Alltag
Einfühlung passiert nicht nur in Ruhe.
Sie kann mitten im Alltag geschehen:
• beim Spazieren, wenn du plötzlich merkst, wie sich dein Schritt verändert;
• beim Essen, wenn du spürst, wann du satt bist;
• beim Arbeiten, wenn du merkst, dass deine Schultern sich anspannen.
Wenn du dann kurz innehältst – nur für einen Atemzug – beginnt Verbindung.
„Wie geht’s mir gerade?“ ist keine große Frage.
Es ist eine kleine Tür, die du immer wieder öffnen darfst.
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Mini-Übung für die Woche
Tägliche 3-Sekunden-Einfühlung
Dreimal am Tag (z. B. morgens, mittags, abends) stell dir still die Frage:
„Wie fühlt sich mein Körper gerade an?“
Kein Urteil, kein Ziel. Nur ein kurzer Moment der Wahrnehmung.
Nach ein paar Tagen wirst du merken: Dein Körper antwortet schneller, als du dachtest.
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Abschluss
Der Körper ist kein Werkzeug, das du pflegen musst, damit es funktioniert.
Er ist dein Partner. Dein inneres Zuhause.
Wenn du ihm wieder zuhörst, brauchst du keine komplizierten Methoden – du brauchst nur ein paar stille Sekunden Zeit.
Und genau hier beginnt Einfühlung: nicht im Tun, sondern im Spüren. 🌿