Ein Überblick für Slow Selfcare
Vielleicht kennst du das Gefühl: Du willst dir mehr Zeit für dich nehmen – besser essen, dich bewegen, etwas entspannen oder einfach früher ins Bett. Doch dann wird der Tag voll, die Woche rast, der Monat ist plötzlich vorbei, und das Jahr fühlt sich an wie ein Wimpernschlag.
Selfcare passiert nicht im luftleeren Raum. Sie braucht Zeit – und zwar in vielen unterschiedlichen Formen: Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre. Jede Ebene hat ihren eigenen Charakter und ihre eigenen Möglichkeiten. Wenn wir das verstehen, können wir Schritt für Schritt an den richtigen Stellen ansetzen, ohne uns zu überfordern.
In diesem Beitrag gehen wir gemeinsam von ganz grob nach ganz fein. Wir schauen auf die Jahresrhythmen und tasten uns bis zu den kleinen Minutenritualen vor. So entsteht eine Art Landkarte, die dir zeigt: Wo lohnt es sich gerade für mich, genauer hinzusehen?
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Die Jahres- und Quartalsebene – das große Bild
Ein Jahr ist wie ein Gartenjahr. Es gibt Jahreszeiten, Zyklen und große Rahmenbedingungen. Auf dieser Ebene geht es nicht darum, jeden Tag zu planen – sondern darum, die großen Pfeiler deines Lebens zu setzen.
- Urlaubs- und Erholungszeiten: Wann tankst du bewusst Kraft?
- Jahresfokus: Möchtest du dieses Jahr an einem bestimmten Thema arbeiten – z. B. mehr Schlaf, mehr Energie oder eine gesunde Routine?
- Saisonale Unterschiede: Wintertage sind kürzer, Sommerabende laden zu Bewegung im Freien ein.
Ein Blick auf das Jahr hilft dir, realistisch zu sehen: Wo wird es eng? Wo ist Raum für Neues?
Du musst nicht alles planen, aber ein, zwei Fixpunkte geben deinem Jahr Stabilität.
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Die Monatsebene – kleine Etappen
Ein Monat ist lang genug, um etwas zu spüren – aber kurz genug, um überschaubar zu bleiben. Deshalb eignet sich die Monatsebene perfekt für Fokus-Themen:
- Ein „Schlaf-Monat“, in dem du Schritt für Schritt deine Abendroutine testest.
- Ein „Bewegungs-Monat“, in dem du drei neue Übungen ausprobierst.
- Ein „Finanz-Monat“, in dem du Ausgaben beobachtest und ein kleines Polster anlegst.
Außerdem: Viele Dinge wiederholen sich monatlich – Gehaltseingang, Rechnungen, bestimmte Routinen. Ein Monatscheck kann also helfen, den Überblick zu behalten und kleine Anpassungen einzubauen.
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Die Wochenebene – der Rhythmus des Alltags
Eine Woche ist oft der praktischste Zeitraum für Veränderungen. Sie ist konkret genug, um zu handeln, und flexibel genug, um etwas zu korrigieren.
- Du kannst Themen bündeln: z. B. „Diese Woche probiere ich drei kleine Ruhepausen“.
- Du kannst eine Wochenstruktur erkennen: Montag vielleicht voller Termine, Mittwoch ruhiger.
- Du kannst am Ende der Woche kurz zurückschauen: Was hat funktioniert, was nicht?
Viele Menschen finden auf der Wochenebene ihren besten Hebel, weil hier Selfcare-Rituale greifbar und wiederholbar werden.
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Die Tageseebene – wo Selfcare tatsächlich passiert
Ein Tag ist das Herzstück deiner Routinen. Hier findet Selfcare konkret statt.
- Morgenritual: 5–20 Minuten, die den Ton des Tages setzen (z. B. Wasser trinken, dehnen, ein paar bewusste Atemzüge).
- Mittagsfenster: eine kleine Pause, ein Spaziergang, ein bewusstes Essen.
- Abendritual: 30–60 Minuten zum Runterfahren, Essen, Entspannen, Schlafvorbereitung.
Die Tagesebene ist besonders spannend, weil sie zeigt: Auch kleine Fenster können reichen, wenn du sie bewusst nutzt. Ein 10-Minuten-Fenster am Abend ist oft wertvoller als ein unerreichbarer 60-Minuten-Block.
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Die Stunden- und Blockebene – Energie managen
Manchmal fühlt sich ein Tag wie ein Sprint an – dabei ist er eigentlich ein Marathon. Hier helfen verschiedene Techniken auf Blockebene:
- 90-Minuten-Blöcke orientieren sich an unserem natürlichen Ultradian-Rhythmus (Fokus-Phasen, Schlaf-Zyklen, Abstand Essen-Essen oder Essen-Schlafen).
- Pomodoro-Technik: 25 Min Fokus + 5 Min Pause, aktiv geplant, bei intensiven Arbeiten.
- Micro-Pausen: alle 60 Minuten kurz aufstehen, dehnen, tief durchatmen.
Diese Ebene erinnert uns: Es geht nicht nur darum, wie viel wir tun, sondern wann und in welchem Rhythmus. Schon kleine Anpassungen können Energie zurückbringen.
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Die Minutenebene – Mikro-Gewohnheiten
Das sind die kleinsten, aber oft mächtigsten Einheiten. Kleine Handlungen, die kaum Zeit brauchen, aber große Wirkung entfalten:
- 1 Minute bewusst atmen.
- 2 Minuten Dehnen nach dem Aufstehen.
- 5 Minuten Reflexion vor dem Schlafengehen.
- 10 Minuten Spaziergang um den Block.
Diese Mini-Rituale sind ideal, wenn du das Gefühl hast: „Ich habe eigentlich keine Zeit.“ Sie passen fast immer – und wirken besser als du vielleicht denkst.
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Spezialfälle – wenn der Rahmen anders ist
Manche Lebenssituationen verlangen eigene Zeitstrategien: Schichtarbeit, kleine Kinder, Pflege von Angehörigen. Hier verschieben sich die Ebenen: Schlaffenster sind flexibler, Mahlzeiten brauchen neue Zeiten, Pausen müssen bewusst eingefordert werden.
Wichtig ist: Es gibt keine „falschen Zeiten“ – es gibt nur deine aktuellen Zeiten. Und die darfst du Schritt für Schritt so gestalten, dass Selfcare auch unter besonderen Bedingungen möglich bleibt.
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Welche Ebene ist für dich gerade wichtig?
Die Kunst besteht nicht darin, alle Ebenen gleichzeitig zu optimieren. Sondern darin, zu spüren: Auf welcher Ebene steckt gerade mein größter Hebel?
- Wenn du völlig im Stress bist → fang bei Minuten an (Micro-Pausen, Atem).
- Wenn du immer wieder Wochen im Chaos verlierst → schau auf deine Wochenstruktur.
- Wenn du das Gefühl hast, das ganze Jahr rast → plane bewusst ein Jahresziel oder eine Erholungszeit.
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Mini-Übung für diese Woche – 10 Minuten für drei Ebenen
Schnapp dir ein Blatt Papier und teile es in drei Spalten: Jahr – Woche – Tag.
- Jahr (2 Minuten): Schreib in einem Satz dein wichtigstes Thema für dieses Jahr (z. B. „Ich will besser schlafen“).
- Woche (3 Minuten): Notiere deine Fixpunkte dieser Woche. Gibt es ein kleines Fenster (90 Minuten) für dich?
- Tag (5 Minuten): Plane heute ein mini-klares Selfcare-Ritual. Nur 5–10 Minuten, fix im Kalender.
Mehr nicht. Kein Optimieren. Nur bewusstes Setzen eines kleinen Punktes auf drei Ebenen.
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So bauen wir Stück für Stück deine persönliche Zeit-Landkarte – nicht, um alles zu kontrollieren, sondern um dir neue Spielräume zu schenken. 🌿